Das historische Grüne Gewölbe - die Schatzkammer August des Starken
(vorgestellt von Heiko Weber, IPV)
Nach mehr als 60 Jahren öffneten sich am 15. September 2006 erstmalig wieder die Türen des historischen Grünen Gewölbes für die Öffentlichkeit. In den Originalräumen präsentieren die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden die nahezu vollständig erhaltene Pretiosen-Sammlung des sächsischen Königshauses in ihrer musealen Ausstattung von 1730. Dieses Schatzkammermuseum ist seit ca. 300 Jahren öffentlich zugänglich.
Absenderfreistempel der Staatlichen Kunstsammlungen (Ausschnitt)
Die unermessliche Pracht der ausgestellten Schatzkunst ehrt zugleich den berühmtesten Repräsentanten des sächsischen Königshauses, geht doch die Idee eines auf Publikumswirksamkeit ausgerichteten und gleichzeitig für die Öffentlichkeit eingeschränkt zugänglichen Schatzkammermuseums maßgeblich auf Anweisungen und Pläne August des Starken (1670 bis 1733) zurück.
Ein „Grünes Gewölbe“ ist im Erdgeschoss-Westflügel des Dresdner Schlosses ab 1572 aktenkundig. Die lindgrüne Farbgebung der Innenarchitektur der als „Geheime Verwahrung“ zur Einlagerung besonders kostbarer Güter genutzten Räume war dafür namensgebend. Bis zu seiner kriegsbedingten Schließung infolge Auslagerung der Ausstellungsstücke im Jahr 1942 hat sich im Grünen Gewölbe über mehr als 200 Jahre nahezu nichts verändert.
Absenderfreistempel mit Silhouette der Dresdner Altstadt (Ausschnitt)
Neben der Vielzahl von ihm selbst erworbener Kabinettstücke kann sich August der Starke bei der Präsentation seiner Schätze auf den reichhaltigen Sammlungsfundus seiner Vorfahren stützen. Abgesehen von der „Geheimen Verwahrung“ wurden die Schätze des Hauses Wettin in der Kurfürstlichen Kunstkammer (1560 - 1805) des Schlosses, dem Vorläufer der späteren Königlichen Sammlungen für Kunst und Wissenschaft (1806 - 1918), aufbewahrt und der Öffentlichkeit präsentiert. Das Grüne Gewölbe ist damit eines der ältesten Museen der Welt.
Der „Kirschkern mit den 180 Köpfen“ galt als Paradestück der vormaligen Kunstkammer. Die vor 1589 in Deutschland gefertigte Kuriosität zeigt mikroskopisch fein eingravierte Gesichter, die kunstvoll in Gold und Email gefasst und mit einem Perlenanhänger verziert wurden. Da das gesamte Kunstwerk nur 4,5 cm hoch ist, präsentiert die Briefmarke es annähernd in Originalgröße.
"Kirschkern mit den 180 Köpfen" als 4er-Eckrandstück mit Druckerzeichen, Reihenzähler etc.
Den verheerenden Zerstörungen vom Februar 1945 fällt auch das Dresdner Stadtschloss zum Opfer. Mobiliar und Vertäfelungen des Grünen Gewölbes werden ein Raub der Flammen. Fünf der acht Räume überstanden das Inferno aber weitgehend unversehrt.
Privatganzsache mit Abbildung des Residenzschlosses
Die zwischenzeitlich nach Moskau überführten Sammlungsstücke kehren 1958 ohne nennenswerte Kriegsverluste aus der Sowjetunion zurück. Im Mai 1959 wird das Grüne Gewölbe im Albertinum an der Brühlschen Terrasse mit neuer musealer Konzeption für den Besucherverkehr eröffnet.
Maschinenwerbestempel mit Werbung für das Grüne Gewölbe im Albertinum
Bei den Ausstellungsstücken des Grünen Gewölbes handelt es sich überwiegend um Arbeiten von Kunsthandwerkern, die mit höchster Meisterschaft und unter Verwendung edelster Materialien ausgeführt wurden. Der eigentliche Nutzwert dieser Stücke tritt hierbei deutlich hinter deren Schauwert zurück. Ein aus Elfenbein gefertigter Schiffspokal mag dafür als Beispiel dienen.
"Fregatte aus Elfenbein" - Sonderumschlag mit Sonderstempel
Die Präsentation des Grünen Gewölbes wartet u.a. mit einer Vielzahl von Trinkpokalen auf. Die wenigsten dieser Prunkgefäße dürften bei Trinkgelagen am Hofe tatsächlich zum Einsatz gekommen sein. Besonders grazil und sehenswert sind die aus dem äußeren Stützgerüst des Meeresbewohners Perlboot (nautilus spec.) gefertigten Pokale.
Nautiluspokale (links und rechts), als Grundmaterial das Nautilusgehäuse (mitte)
Beim Markenmotiv „Nautiluspokal mit Satyrschaft“ handelt es sich um eine 30 cm hohe und 19 cm breite Berliner Goldschmiedearbeit mit einem Fußdurchmessser von 13 cm, die etwa um 1707 vom Goldschmied Bernhard (Bernd) Quippe hergestellt wurde. Der Entwurf stammt vom sächsischen Hofbildhauer Balthasar Permoser. Das Perlmutt des naturgemäßen Nautilusgehäuses ist glatt poliert und kunstvoll in vergoldetem Silber gefasst.
Zu den weltweit bekanntesten Schaustücken des Grünen Gewölbes zählt zweifelsfrei der „Mohr mit der Smaragdstufe“. Diese barocke Statue wurde um 1724 im Auftrag von August dem Starken geschaffen, der einen Brocken limonitisches Gestein aus seinem Privatbesitz zu den Exponaten der Schatzkammer beisteuern wollte.
Der „Anhänger mit dem heiligen Georg“ zählt zu den schönsten deutschen Renaissance-Schmuckstücken im Grünen Gewölbe. Die plastische Goldemailarbeit (8,3 x 5,1 cm) zeigt den Drachenkampf des Ritterheiligen in bewundernswerter anatomischer Detailfülle. Der Anhänger ist mit roten Rubinen, Diamanten, grünen Smaragden und Perlen verziert.
"Anhänger St. Georg" als 4er-Eckrandstück mit Druckerzeichen, Reihenzähler etc.
Kunstfertige Schnitz- und Drechselarbeiten aus Elefantenstoßzähnen entsprachen wohl am ehesten dem barocken Repräsentationsbedürfnis. Zu den herausragenden Stücken des Elfenbein-Zimmers im Grünen Gewölbe zählen 1714 von Permoser geschnitzte, spielerisch frei schwingende Figürchen, die als Tänzerinnen die „Vier Jahreszeiten“ vorstellen.
Block mit der Darstellung der Figur des "Sommers"
Die „Perlmutt-Prunkkanne“ liefert abschließend den Beleg dafür, dass Sammlungstücke häufig auch umgearbeitet wurden. Die 29 cm hohe kupferne Kanne ist mit Perlmutterplättchen aus Muscheln oder Seeschnecken verziert. Sie ist orientalischer Herkunft, wurde jedoch um 1530 in einer Nürnberger Werkstatt dem Zeitgeist angepasst. Der Kanne wurde dabei um silberne Henkel und Ausguss ergänzt und vergoldet.
"Prunkkanne" als 4er-Eckrandstück mit Druckerzeichen, Reihenzähler etc.